Literaturtipps

Mit ihrem 2011 erschienenen Buch „Schön! Stark! Frei! Wie Lesben in der Presse (nicht) dargestellt werden“ widmet sich die Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin Elke Amberg einem bisher in der Medien- und Queerforschung ausgeblendeten Thema. Einleitend skizziert die Autorin die Perspektiven auf das Thema der Nicht-Sichtbarkeit und Darstellung von Lesben in der Presse und wirft offene und kritische Fragen auf. Das zweite Kapitel umfasst die Zusammenstellung des umfangreich recherchierten Kontextwissens: Das Thema „Lesben, Sichtbarkeit und Medien“ wird dabei vor dem Hintergrund historischer Zusammenhänge, der Frage nach der Darstellung von Frauen und Lesben in den Medien insgesamt und des Forschungsstandes dazu spannend aufbereitet. Aufschlussreich und den Blick auf das Thema erweiternd ist hier unter anderem neben dem Einblick in die Darstellung von Lesben in der Szenepresse der Abschnitt über lesbische Journalistinnen. Das zentrale dritte Kapitel stellt die Ergebnisse der Lesben-Presse-Studie, die von der Münchner Lesbenberatungsstelle LeTRa initiiert wurde, detailliert und strukturiert nach den gewählten Kategorien vor. Es gelingt der Autorin hervorragend, das wissenschaftliche Vorgehen und die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Analyse von Artikeln über LGBT in vier Münchner Tageszeitungen auch für die nicht wissenschaftlich und/oder journalistisch orientierte Leserschaft leicht verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten, ohne dabei an wissenschaftlichem Anspruch zu verlieren. Die Ergebnisse verdeutlichen eindrücklich, dass Lesben in der lesbisch-schwulen Berichterstattung ausgeblendet werden, dass sie es allenfalls als Mütter oder Prominente in die Tageszeitung schaffen − um nur zwei wesentliche Aspekte zu benennen. Die auf die quantitative Auswertung folgende Darstellung der qualitativen Ergebnisse der Studie basiert auf vier Feinanalysen von Zeitungsartikeln über Lesben. Zwar nehmen sie im Buch weniger Raum ein als der quantitative Teil, vertiefen und erweitern diesen aber vortrefflich und geben außerdem einen spezifischen Einblick in die journalistische Praxis. Die Ergebnisdiskussion im vierten Kapitel greift neben dem „Wie“ der Darstellung die entscheidenden Fragen nach dem „Warum“ der Nicht-Sichtbarkeit von Lesben in den Medien und dem „Was“ für mehr Sichtbarkeit getan werden kann, auf. Elke Amberg gibt hier klare Antworten, soweit dies möglich ist. Das Kapitel endet mit einem zauberhaften Plädoyer für Lesben, die von den Medien in der Gesamtheit ihrer Facetten erst noch entdeckt werden müssen.

 

In diesem außerordentlich lesenswerten Buch wird erstmalig die Darstellung von Lesben in der Mainstream-Presse auf Basis einer kommunikationswissenschaftlichen Analyse in den Fokus gerückt. Damit trägt die Studie mit explorativem Charakter entscheidend dazu bei, eine Leerstelle zu schließen. Elke Amberg macht aber auch deutlich, dass dies erst der Anfang sein kann. Aus forschungsökonomischen Gründen werden ausschließlich die Themenbereiche Christopher Street Day und die rechtliche Gleichstellung untersucht. Dass damit die lesbisch-schwule Berichterstattung nicht in ihrer Gesamtheit betrachtet wird, ist eine Grenze, mit der die Autorin bewusst offen umgeht. Es bleibt der einzige Wermutstropfen beim Lesen des Buches und weist zudem auf den hohen Forschungsbedarf hin. Aber wenngleich Elke Amberg nur Tendenzen aufzeigen kann, sind die Ergebnisse äußerst aussagekräftig und regelrecht erschreckend. Gerade die gelungene Kombination aus der wissenschaftlich fundierten und einleuchtenden Darstellung der Studie, dem eigenen kritisch-involvierten Blick der Autorin und der einzigartigen persönlichen Note, die Elke Amberg ihrem Buch verleiht, kann die Leserin und den Leser an das Buch fesseln. Es hält zweifellos, was es verspricht: Es zeigt Ursachen auf, stellt Verknüpfungen her, präzisiert Zusammenhänge, gibt klare Einschätzungen und Hinweise für Handlungsansätze und weitere Forschungen. Und es weckt die Hoffnung auf mehr − auf mehr Sichtbarkeit von Lesben in der Presseberichterstattung, mehr wissenschaftliche Untersuchungen zur Darstellung von Lesben in den Medien und auf mehr Buchveröffentlichungen von Elke Amberg zu diesem oder anderen Themen.

 

Rezension von Katrin Haase

Elke Amberg war am 07.11.2013 im Rahmen der Veranstaltung "Über die (Un-)Sichtbarkeit von Lesben in den Medien" zu Gast in Dresden. In einem Vortrag stellte sie ihre 2011 erschienene Studie vor und war Teilnehmerin der anschließenden Podiumsdiskussion. Einen Bericht zu dieser Veranstaltung findet Ihr hier.


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